Jonathan und der Abgrund

Der Asphalt gleitet langsam, aber stetig unter mir durch. Lange Bahnen von weißen Linien begleiten mich auf der Reise, die mir durch die Zeit aufgezwungen wurde. Es geht nicht darum, nicht mehr vom Fleck zu kommen. Es geht um den Gang der Dinge. Es vergeht mir das Lachen, wenn ich daran herabsehe, was aus der zeitlosen Erstarrung meiner Gedanken geworden ist.

Ich entdecke, dass eine Sicherheit, nein, die Sicherheit nur durch Kontrolle erreicht werden kann. Ich muss mich mehr und mehr kontrollieren, kontrollieren lassen. Mich mit eiserner Kontrolle anziehen, statt immerzu der Kontrolle entfliehen zu wollen. Die Fesseln der Zurückhaltung sind doch wärmende, beschützende Bänder aus feinem Zwirn, stählerne Keuschheitsgürtel gibt es doch nicht.

Bitte, gib es endlich auf, unkontrolliert deine Gliedern herumwerfend, gedankenverloren, einfach auf die Wand zu zu rennen. Versuche es einfach nicht mehr, einfach mit dem Denken aufzuhören und dich gerade aus, durch die Mauern deiner Selbst, in den Abgrund der Neugierde zu werfen. Vermeide unbedingt den Kontakt, vermeide das alles, beginn endlich die unvermeidliche Kälte deiner Gefühle als warme, gefütterte Jacke zuzulassen. Lass es fallen, lass dir das endlich alles gefallen.

Bin ich endlich sicher? Ist es mir endlich gelungen, stark zu sein? Halten ich es endlich aus? Will ich endlich, endlich weiterkommen? Was erlaube ich mir noch immer, was soll ich ab sofort einstellen? Was, um alles in der Welt, will ich behalten, festhalten? Ohne daran zu denken, endlich einen Schritt, den Schritt in den Abgrund zu machen.

Jonathan steht noch da!

Jonathan steht da, er steht und versucht nicht zu denken. Das gelingt ihm natürlich nicht. Es geht einfach nicht, seine Augenblicke ohne Gedanken zu füllen. So etwas lässt die Welt nicht zu. Jonathan steht trotzdem aufrecht, ein aufrechter Körper, ein wenig hohlkreuzig, ein wenig verspannt, ein wenig, aber doch noch entschlossen, nach hinten gebeugt. Als ob sein materielles Ich noch nicht bereit wäre, bereit für die Zukunft wäre. Es nicht verstehen wollte, es nicht akzeptieren würde, nach vorne zu gelangen. Lieber noch ein wenig stehen bleiben, aber umdrehen will auch sein Körper nicht. Für eine Wende ist es, wenn er sich ehrlich ist, zu spät.

Seine Arme hängen herab, bilden sich als zwei Parallelen von den Schultern nach unten, Richtung des staubigen, recht trockenen Bodens der Realität. Wenn er seine Finger streckt, ausstreckt, spürt er die Anspannung seiner Sehnen, spürt er die Kraft, die noch in ihm steckt. Er freut sich, freut sich dran, sich selbst erspüren zu können. Warum auch nicht? Solange die gespannten Glieder sich nicht in die harte Erde graben, kann er sich sicher sein, dass seine Fingernägel so sauber bleiben.

Seine Beine zittern nicht, seine Beine sind zwei starke, lange Felsen in der luftigen Brandung. Sie stehen noch sicher, sie stehen still. Vielleicht bewegt sich der Saum seiner Hose ein wenig im Wind, aber das erlaubt es seinen Sprunggelenken nicht, nicht in Ruhe, in einer letzten Ruhe zu bleiben. Wann werden werden sein Beine den Stillstand beenden? Bald, sicher bald.

Jonathan hat die Augen geschlossen, er braucht sie nicht mehr, sie haben ihm hier hergebracht, ihm gute Dienste erwiesen. Keinen Augenblick lang waren sie unsicher gewesen und auch jetzt noch suchen sie unter den geschlossenen Lidern. Seine Augen sehnen sich nach Weite, nach mehr, aber eigentlich ist es ihnen wohl im Dunkeln. Auch sie haben ihren Platz gefunden. Gut so, Jonathan ist ihnen dankbar.

Denkt sein Gehirn noch immer daran herum, nicht mehr denken zu müssen? Natürlich sperrt es sich ein wenig gegen den letzten Gedanken, das ist normal, wer vermag es ihm zu verdenken. Alles erdenkliche haben Jonathans Gehirnwindungen schon zusammengesponnen, trotzdem haben sie nicht genug, noch nicht eigentlich. Trotzdem.

Jonathan macht einen Schritt.

Eisen-Wagner (kein Werbetext)

Ich warte darauf, dass die Welt zusammenbricht.

Mir wird ein bisserl schlecht, wenn ich daran denke, in einem Strudel aus Allerwelt gefangen nach unten zu rauschen. Mit irrsinnigem Tempo reißt es mich mit der Welt rundherum und mit jeder Drehung geht´s ein Stück weiter bergab. Damit nicht genug, der Strudel wird auch immer enger, je weiter die Welt nach unten trudelt. Immer näher rücken wir zusammen, immer gemeinsamer wird die Fahrt ans Ende der Welt. Im Ende der Welt, kracht das alles in ein schwarzes Loch zusammen und verschmilzt zu einem Fleck aus Liebe. Zu was auch sonst bitte?

Solange ich in Ried denken kann, gibt es das blaugraugrausliche Firmengebäude von Eisen Wagner. Ich bin schon vorn daran vorbeigefahren, wahrscheinlich tausend mal, bin hinten entlang gegangen, auch ein paar mal. War, glaub ich, sogar mal drinnen. Ein Werkzeugverkauf, ich hab mir vielleicht ein Schraubendreher Set angesehen, eine Standbohrmaschine angelächelt, einen Bandschleifer bewundert und eine Beißzange gekauft. Vielleicht auch nicht, ist nicht so wichtig, wichtiger waren die rostigen Baustellengitter, welche auf den Lagerplatz recht schön aufgestapelt waren, in meinen Gedanken noch immer sind. Rotbraun als unkrauthinterlegter Kontrast zum graublauen Fassaden-Antlitz daneben. Fahle Fensterfront, getrübt von jahrzehntelangem Trotz der Natur-Regen-Schnee-Sonne-Gewalten.

Wann haben diese Fenster das letzte mal ein Putzmittel gerochen? Streifenfrei als Sehnsucht, die man den Gläsern besonders an der Westseite ansieht. Sich ansehen muss, beim vorbeikommen. Und vorbei kommt niemand mehr. Das Schild „Disposition“ über einer Eingangstür, welche irgendwann vor sicher längerer Zeit, von vielen irgendjemanden, sehr oft geöffnet wurde. Ob sie sich an jeden Besucher, jeden Kunden, jeden Angestellten, an den Chef erinnert? Jetzt nicht mehr, das ist sicher.

Er ist ein recht grässliches Gebäude, es schaut nach Energieverschwendung aus, es schaut verbraucht auch, es schaut sich selbst sicher nicht mehr an. Hat vielleicht irgendwann in den letzten Jahren begonnen, sich für sich selbst zu schämen.

Wenn ein Haus erstmal eine Zeitlang vor einem steht, dann beginnt man vielleicht sich selbst darin zu sehn. Man fährt vielleicht vorbei, geht daran entlang, steht davor. Es ist für einem da, verlässlich baut es sich vom Horizont her kommend vor einem auf, immer mehr auf, ohne sich aufzudrängen. Aber sicher, das Firmengebäude von Eisen Wagner in Ried, es drängt sich doch auf, bemerkt sich auf. Immer schon, seit ich in Ried bemerken kann. Ich schau es immer irgendwie im Vorbeiverkehren an und es hat dann immer zurück geschaut. Ich hab es gern.

Seit dieser Woche ist dieses wunderbare Gebäude weg. Gerissen, nach unten gestemmt, in einem Fall aus Baggerstaub zusammengebrochen. In einem Strudel gestützt und ans Ende der Welt gespuckt, aus.  Die Fenster zerbrochen, die Baustellengitter schon abtransportiert, das Blau und das Grau zusammengestaucht in einen Haufen aus verbogenen Metall. Die Tür zur Disposition ist auch nicht mehr da. Sie ist wahrscheinlich begraben vom Beton, gemeinsam mit dem Schild auf dem Weg in die Verwertung, Nachhaltigkeit wird nicht viel Zuspruch erhalten werden.

Ich hab mir fast einen Faschingskrapfen gekauft, wenn nicht so viele Leute in der Schlange gestanden wären. Ich hätte mit der Marillenmarmelade im Mund meine Augen noch länger auf die Abbruchstelle werfen wollen. Aber es hat mir auch so gereicht, ein kleiner, kurzer Abschied, der mich sentimental lächeln lässt. Dann steige ich ins Auto.

Manchmal kommt sicher auch immer was Besseres nach.

emotional

Here comes the soul
Gimme that soul

Als er sich neu zu erfinden glaubte, ging es ihm ähnlich. Ähnlich einem Baum, der sich, in sich verwunden, um eine Wunde windet, welche ihm von einem kalten Wintersturm zugefügt wurde.

Tears in my eyes, I’ve got to cry, cry

Viel ist es nicht, was ihm von der Nacht in Erinnerung geblieben ist. Er denkt auch nicht mehr als zu oft daran. Aber wenn ihm die Vergangenheit einholt, wenn ihm die Hand der Zeit, eine kalte Hand, eine starke Hand, eine unbequeme Hand, die Schulter drückt, dann drückt sich mit ihr auch die Erinnerung in sein Schulterblatt und sein Schlüsselbein versucht sich von den eisigen Fingerspitzen weg zu ducken.

Want you to come and do me

Und es ist leichter in der Gegenwart zu leben, als versuchen, ein altes Grab sein eigen zu nennen. Genau, solange die Kalorien ihren Weg durch die Irrgärten seiner menschlichen Chemiefabriken finden und genug Sauerstoff seine Blutbahnen durchströmt, ist eine Versorgung von irren Transmitter-Blitzen in seiner Gedankenzentrale gesichert. Was für eine willkommene Abwechslung. Und alle lachen mit, lassen ihre alternden, aber immer gepflegten Lebenslinien aufeinander klatschen. Sie freuen sich mit ihm, das weiß er und weiß sich auch in seiner Rolle als Gedankenverlierer zu verlieren. Was ist schon dabei, nicht immer dabei zu sein? Ach was ergibt sich auch alles, wenn das Leben so vor sich hin läuft. Komm schon Seele, versuch ruhig rein zu bleiben!

Noch nicht geboren ist
Aber ich bitte dich, komm‘ zur Welt

Es tut mir leid, denkt er sich schon seit langem. Denkt er vielleicht an Schuld, nein, er denkt an Prioritäten. Was man machen muss, muss man vor der Gesellschaft vorweisen können. Was erwarten wir schon von uns selbst, weit weniger, als das, was die anderen zu geben haben, glauben wir. Er glaubt auch daran, daran, dass sich irgendwann der Gedankenknoten lösen wird können. Ist es einfacher, wenn einem die Gedanken erst gar nicht von unten auf die Prostata drücken? Vielleicht sollte er sich die Sehnen, welche hinter dem Knie entlanglaufen, mit einem scharfen Messer durchschneiden, um zu sehen wie es ist, es ist, wenn man fällt, tief fällt. Denn eigentlich kennt er das nicht wirklich.

He’s got tears in his eyes, watch me
(Watch him break down and cry)
Now, hear me babe, was soll ich dir noch sagen
(Cry) es ist doch alles schon gesagt, du siehst ja wo ich bin
(Cry) can’t you see I’m down on my knees

Und wir sehen zu, sehen uns immer schneller laufen, rennen, sprinten, wetten, schnaufen, husten, brüllen, schreien, noch weiter, immer weiter, den Puls in immer schneller, kontrollieren, am Armgelenk, noch weiter, noch mehr, mehr, mehr, ein paar Schritte noch, bitte, ich sehe das Ziel, mein Ziel. Ich sehe nichts mehr, die Tränen fließen wieder senkrecht. Schauen Sie mir bitte zu, bitte schaut doch her, wenn ich versuche dem Leben zuzuhören.

Was soll ich dir noch sagen
Es ist doch alles schon gesagt
Ohne uns sind wir die Hälfte wert
Wir geh’n vorbei und seh’n es nicht

Lassen wir das jetzt dem Ende zugehen, ein paar verletzte, vorletzte Worte vielleicht. Er ist sicher nicht fertig, sicher nicht von einer Wand erschlagen, keine Lawine deckt ihn zu, keine Welle drückt ihn nach unten, noch nicht. Vorher darf er nochmals einatmen, noch einmal verschnaufen. Er senkt den Blick, schaut an sich herab, ein Lächeln erhebt sich leicht. Was ist mit mir, was erscheint mir gläsern, was scheint nicht, scheint falsch? Eh nichts los, nichts, was sich nicht ändern ließe. Also nicht sentimental werden, die Vergangenheit nicht ruhen aber ruhig lassen. Gehen wir?

Und du weißt, ich habe ein Herz wie ein Löwe
(He’s just longing for a woman to hold)
Und das Herz geht so lang zum Messer, bis es sticht

Einstich, der Moment, an dem das spitzeste Atom der spitzen Messerspitze durch die oberste Atomschicht der ledrigen Oberschicht meiner Brustwarzenhaut sticht.

I swear I’m gonna find you
(Ooh, he’s emotional, whoa, oh)
So emotional (He’s an emotional man)

(mit hoffentlich freundlicher Unterstützung von FALCO)

ich schiebe Kinder ab er nicht

Solange ich denken kann, denke ich an die Dinge, welche mir einfallen. Und dann hinterfrage ich die Fragen die mir das Leben stellt und das mit einer Intensität, welche keine Fragen offen lässt. Ich erlaube mir zu glauben, ich sei glaubhaft daran interessiert, an das Erlaubte zu glauben.

Ich schiebe Kinder ab. Er macht das auch nicht.

Solange ich meinen Eltern folgen konnte, folgte auf einen Tag ein Anderer. Und Andere waren Menschen, welche nicht als Dinge herumgeschoben wurden konnten. Ich ginge nicht als Unmensch durch, so folgere ich aus meinen Tagen, als folgsames Kind meiner richtigen Eltern.

Ich schiebe das Recht nicht ab. Er macht das auch nicht.

Ich will mich nicht vor meiner Selbst verstecken, mich nicht immer als Schatz betrachten, den es zu behüten, zu verbergen gilt. Ich bin trotzdem ein Schatz, geschätzt als schätzender Zeitgenosse, welcher selbst und sich selbst nicht zu verbergen bemüht. So bemühe ich mich stehts, eine Mühe zu geben. Nur Ruhe kommt da mir nicht auf.

Ich schiebe mich vor den Kindern her. Er macht das nicht.

Und solange es gilt, sich selbst als Prophet und Gottes Anwalt zu sehen und dann die anderen zu teilen, aufzuteilen, mitzuteilen und auseinanderzureißen, solange sitze ich unruhig hier und betrachte stumm das Spiel. Es spielen immer nur die, die glauben – glauben sie mir, Gott hätte nach einen Anwalt geschrien.

Ich schiebe Gott als Wille ab. Er macht nicht mit.

Und weiter will ich mich nicht trauen, so angetraut wie wir es sind. Verheiratet lass ich mich in diesem Seil erhängen, trau meiner Flucht nicht übern Weg. Bitte, bitte lasst die Träume hier, sie sind es, die uns wachsam werden lassen. Mein Traum entpuppt sich als mein Seil, das mir meinen Hals erwärmt.

Ich schiebe diese Kinder ab. Er macht das nicht.

Ich schiebe mein Gedanken hin und her, dann hinweg, über meine Grenzen. Ein Zaun lässt mich erkennen, wo sie sich befinden, meine Ränder. Dann schau ich durch die Maschen durch, sehe meine Gedanken auf der anderen Seite mir enteilen. Ich bin mir traurig, weiß es nicht, wo grenzt mein Selbst sich von mir ab. In einer Frage bin ich sicher.

Ich schiebe keine Kinder ab. Er ist nicht einer dieser guten Menschen.

Als Gutmensch tauge ich nicht viel. Zu wenig ist mein Vertrauen auf meine guten Gedanken. Was weiß ich alles, Nichts, sonst wäre ich gut und gern einer der vielen Guten. Die wenigsten finden sich schlecht darin, nur wenige realisieren sich als Monster. Die meisten in Gegenteil extrem gut darin, sich selbst zu gut, nein guter zu sehen, als sie sind.

Und dann schieben Sie die Kinder ab. Er macht dann nicht mit.

Kinder sind nett anzusehen. Wir sehen sie als Spiegel, uns in ihnen selbst. Wenn wir der Spiegel überdrüssig sind, und gehen, lassen wir sie einfach stehen. Dann kommt die böse Polizei und nimmt sie mit, nimmt unsere Unschuld auch gleich mit. Nur sehen wir das nicht, die Unschuld ist unser Spiegelbild

Ich bin schuldig, ich schiebe diese Kinder ab. Er macht das mit.

7 Sachen geben einander die Hand

…..sagte SIE und schüttelte die SEINE mit überraschender Energie.

„Warum sind wir heute wieder zusammengekommen?“

So verbinden sich manchmal zwei Punkte, oft nennt man sie A und B, mit einer Reiseleine aus Gedanken, Taten und Verbringungen.

„Weiß nicht, wollte das eigentlich nicht. Es ergibt sich manchmal einfach so, und du?“

Verbringt die Zeit mit so allerlei Dingsda, gemeine Dinge, aber doch nur einsam. Ist man gemein, wenn man sich was wünscht? Sich in einem Traum erwachen wünscht.

„Ich bin erpicht darauf zu erfahren wie es mit mir weitergehen wird.“

Manchmal kommen wir uns näher, kommen unserem Ziel doch näher.

„Ach nein, wirklich!“

Gibt es eine unendliche Annäherung? Und von was entfernt man sich dabei? Immer mehr von der verbrachten Realität auf jeden Fall, oder sie wird einfach mitgenommen.

„Wohin wünscht du und du dich?“

Wenn es auch mitgenommen wirkt, als mitgebrachte Realität, auf eine Zukunft zu treffen.

„So soll es vorbei ziehen und einfach, einfach einfach bleiben, bitte!“

Ich bin es leid, leider zu meinen, Entschuldigung zu sagen und mich mit fremden Mist zu füllen. Wieso erlaube ich mir da immer nett zu sein, wenn ich es doch mit leeren Magen viel besser haben könnte. Fett abbauen, Dunkelheit abbauen. Und dabei gut sein, es gut sein lassen.

„Lass mich endlich in Ruhe essen und träumen!“

Also wie geht da weiter mit der Unendlichen Geschichte? Ist nicht jede Geschichte eine Annäherung mit verbundener Abtrennung. Ein Ende verlangt nach einem Anfang, bedingt ihn.

„Du fängst schon wieder damit an?“

Unbedingt sogar! Weil es nicht anders geht, oder geht es auch anders?

„Ich glaub, ich hab mich verändert! Glaub mir!“

Wohin soll es gehen, wohin des Weges mit all diesen Gedanken. Bin mir noch nicht sicher und doch ganz klar. Es kann nicht so weitergehen, es geht immer weiter. Wer geht?

„Du verschwendest dich so an dich selbst. Finde dich endlich! Glaub mir, ich erfinde nichts!“

Und darum bitteschön keine Gedanken verschwenden, nein, warum auch? Es kann ja nur nach vorne laufen, es rennt und brennt dabei lichterloh. Die verbliebenen Stimmen mahnen leise von weit, weit weg, kaum zu hören.

„Ich hab dir immer schon gesagt, dass du nicht auf das hören sollst, was ich dir sage!“

Ich will so weiter, mir bricht mehr weg. Und darauf baue ich auf, ich baue ein Haus, eine Welt, eine und meine Realität – weiter und immer weiter.

„Lerne dir endlich, zu vergessen! Lerne endlich zu Zukunft kennen!“

Wohin bitte verführt werden? Als ob es das braucht, es geht ja ohnehin jeder mit. Verfahren tut es sich da viel leichter – der Weg zurück ist eine asphaltierte Autobahn, hoffentlich sieht man sich nicht als Hase.

Dann kann es sein, dass man überfahren wird.

Rede des Bürgermeisters von Hinterwald im Tirol anlässlich der Ankunft des letzten englischen Skilehrers

Redet der auch wirklich nur Englisch? Du weißt, da hat sich unser Landeshauptmann schon kräftigt vertan, damals mit dem Fußballer!

– Kein Deutsch? -Tirolerisch auch nicht?

-Na gut, dann los! Wo steht er, welcher ist es? Der mit dem Kappl? Schaut ein wenig verschnupft! Naja, so sind sie die Engländer, die anderen haben auch nicht gesünder ausgeschaut! Wo soll ich mich hinstellen? Vor die Blasmusikkappelle, gut! Fotografiert wer? Nein? Gut, dann kann ich die Maske gleich runter.

Wie heißt er nochmal? Johnson? Echt? Wie der Chef drüben, witzig!

LIEBE Gemeinde, lieber Herr Johnson! HOW DO YOU DO? Herzlich WELCOME in unserem schönen Hinterwald! Nachdem unsere tapfere Dorfkappelle mit diesem zünftigen Marsch unseren Gast so herzlich willkommen geheißen hat, freu ich mich natürlich auch, den Herrn Johnson als 18ten damit letzten unserer Schilehrerfreunde aus dem SICHER schönen England – flach ist es halt, keine Berge, wie wir sie hier in Tirol haben, flach sind sie die Englischen Lande, aber sicher auch schön.

Aber es freut uns daher besonders, das unsere lieben englischen Freunde alle da sind. Robin Hoods quasi, hoffentlich habt ihr die Pfeil und Bogen daheim gelassen – aber Scherz beiseite. Wir hatten schon Sorge, dass es nicht mehr alle schaffen, mit all den LockDowns, Grenzsperren und Kontrollen. Ich hab ja vom Hauser Sepp – Sepp bist du da? – Ja, der Sepp und sein Team hat das alles organisiert mit dem Fliegerei und den geschäftlichen Einladungen, dem Zug und so weiter! Das ist glaub ich einen Applaus wert! Bitte!

Aber Bitte, nicht gleich schmusen, Kathi! ABSTAND bitte, hahaha!

Nun, jetzt haben wir euch da und das ist gut so und das freut uns natürlich nicht nur weil´s a Geschäft ist. Nein, wir haben ja gemeinsam eine Tradition, jetzt schon über viele Jahre und bitte, die lassen wir uns doch nicht von so einem Virus kaputt machen. Natürlich SAFTY FIRST, nicht wahr lieber Herr Mister Johnson, aber alles was recht ist! In Vorderwald haben´s eh fast alle getestet und wenn die nicht angesteckt sind, was soll uns passieren?

So, langer Rede kurzer Sinn, lieber Herr Johnson – ich freue mich und da spreche ich sicher für die ganze versammelte Gemeinde, ganz besonders, dass sie hier bei uns sind. Wenn ich mir und dir etwas wünschen darf – du hast ja sicher NICHTS für uns mitgebracht – gute Laune, viel Spaß und eine urige Zeit! Das und ganz viel MITEINANDER, das wünsch ich dir und deinen Kumpels.

Nein, Herr Johnson, sie brauchen jetzt nicht zum weinen anfangen, sie haben ja ganz GLASIGE Augen! Gebt´s ihm ein Taschentuch. Der FIEBERT schon dem Schnee entgegen, oder den Nächten, unseren Tiroler Nächten! Dafür sind wir ja berühmt, da lassen wir nichts anbrennen, richtig? Applaus nochmal, jawohl!

In diesem Sinne, nochmal ein herzliches und inniges WELCOME und ich glaube die Musik hat noch ein Stückl vorbereitet, was zünftiges hoffe ich!

Und wie war ich? Gut? Gut! Wo ist mein Bier?

zauberhafte gerade

Solange es uns bewusst ist, reden wir auch mit uns.

„Bitte schön.“ sagt Irmgard zu Adalbert.

„Warum erleb ich mit dir die verrücktesten Sachen?“ sagt Adalbert zu Irmgard .

„Sag sowas nicht!“ sagt Irmgard zu Adalbert.

„Kannst du in die Zukunft schauen?“ sagt Adalbert zu Irmgard.

„Was rührst du noch bitte, was willst du, was soll das alles noch?“ sagt Irmgard zu Adalbert.

„Ich weiß nicht, aber ich will nicht wahrhaben, dass es nicht einfach so nicht mehr weg geht.“ sagt Adalbert zu Irmgard.

„Lass es sein, lass es sein, lass es sein!“ sagt Irmgard zu Adalbert.

„Wohin es hingeht, wenn das Leben vorangeht.“ denkt Adalbert und denkt Irmgard.

„Wohin es wohl hingeht, wenn das Leben weiter vorangeht,“ denkt Irmgard und denkt Adalbert.

„Und warum geht es einfach so weiter, wo bleibt der Knall.“ sagt Irmgard zu Adalbert.

„Da lach ich jetzt aber!“ sagt Adalbert zu Irmgard.

„Hast du den Knall?“ fragt Irmgard.

„Nein, ich bin still! Bin ich still?“ fragt Adalbert.

„Sei still und dreh dich mal um, ich hab das T-Shirt verkehrt herum an!“ sagt Irmgard auch und eigentlich zu sich selbst.

„Ich helf dir!“ fragt Adalbert zu Irmgard.

„Rühr deine Hände nicht, bitte, ich kann das immer schon allein.“ sagt Irmgard zu Adalbert.

„Brauchst du einen Kamm?“ fragt Adalbert und hält den Schlüssel in der Hand.

„Ja, und Bitte, Nein, und Danke!“ sagt Irmgard zu Adalbert.

„Warum das alles, warum noch immer?“ fragt sich Adalbert und beginnt mit dem Stift Kreise zu malen.

„Hör auf zu malen, ich dreh noch durch, glaubst du, ich sehe nicht den Kreis, in dem ich mich dreh?“ sagt Irmgard und nimmt den Stift in die Hand.

„Drehen wir uns alle nicht im Kreis?“ erklärt sich Adalbert und schaut zu Irmgard.

„Ich will keinen Kreis, ich will eine zauberhafte Gerade, so ein Glück!“ erwidert Irmgard zu Adalbert.

„Ich will ein Achtelliter Rotwein aus dem Burgenland!“ sagt Adalbert zu und nach Irmgard.

„Was schenkst du mir ein?“ sagt Irmgard zu Adalbert.

„Eine Erinnerung, darf ich, darf ich das?“ fragt Adalbert.

„Du darfst alles denken, was du willst!“ sagt Irmgard zu Adalbert.

„Lass mich aus dem Spiel!“ schreit Adalbert Irmgard an.

„Du zündest mein Feuerwerk nicht an!“ faucht Irmgard Adalbert an.

„Meinst du wirklich, ich will noch, noch immer das Feuerzeug?“ sagt sich Adalbert und schaut Irmgard nicht an.

„Schau mich nicht an!“ sagt Irmgard und wirft das Feuerzeug weg.

„Solange wir die Masken auch über unsere Nasen streifen können, können wir!“ denken Irmgard und Adalbert.

„Wie leicht es doch geht, das Leben weiter gehen zu lassen.“ sagt Adalbert zu Irmgard.

„Wie leicht es doch geht, eine Höhle in einen Misthaufen zu schaufeln.“ sagt Irmgard zu Adalbert.

„Beruhig dich bitte!“ sagt Adalbert zu Irmgard.

„Bitte, bitte, bitte!“ sagt Irmgard zu Adalbert.

Und irgendwie kommt das Glück ganz unbemerkt

sicher

morgen

oder vorgestern

Autozugfahren

Heinrich: Vater

Antonia: ältere Tochter

Roswitha: jüngere Tochter

Heinrich: Bitte Kinder, jetzt macht endlich. Wir sind spät dran und der Zug wartet nicht auf uns.

Wenn Heinrich mit seinen Töchtern nach Hamburg fährt, dann nimmt er den Auto-Reisezug. Und das ganz natürlich, weil er:

Heinrich: Weil ich ja nicht blöd bin und mich die ganzen 1000 km auf den verstopften deutschen Autobahnen mit den 200km/h rasenden Piefkes herumärgern will.

Und weil seine zwei jungen Damen sicher nicht die 10 Stunden Autofahrt:

Antonia: Mir meine Figur ruiniere durch unsymmetrisches Sitzen ohne Entspannungsmöglichkeit.

Roswitha: Mich anöden lasse durch die ganzen Lärmschutzwände und tausenden Autos auf der Autobahn.

Und natürlich hat Heinrich ökonomische Gründe für seine Entscheidung, der CO2-Gewinn für die Umwelt ist ca. 654 kg und die Benzin-Einsparung so rund um die 90 Euro. Und weil sein Bruder bei der ÖBB ist und er damit nur den halben Preis für die Fahrt zahlen muss, ist die Reise auch leistbar.

Heinrich: Ich sags dir, 654kg Co2, kannst du dir das vorstellen! Die haben mir das ausgerechnet auf der ÖBB Homepage, 654kg ist ein Wahnsinn, da kann ich gleich den großen Baum vom Nachbar, der eh zur Hälfte in meinen Garten rüberhängt, wegschneiden und ich bin immer noch die nächsten 5 Jahre klimaneutral! Super!

Den Kindern ist das egal, weil von Co2 haben die zwar sicher schon etwas gehört, aber nachdem es in keiner Instagram-Gruppe diskutiert wird, ist es für deren Universum noch so relevant wie ein Ereignis vor dem Urknall. Also:  

Antonia: Wann müssen wir da aufstehen? Wann fährt der Zug los?

Heinrich: Um halb sieben.

Antonia: Aufstehen oder wegfahren.

Heinrich: Um sechs.

Roswitha: Ich mag aber schon noch frühstücken vorher.

Heinrich: Wir können ja noch ein Frühstück kaufen beim Bäcker, die Mama ist eh nicht da.

Roswitha: Zum McDonalds?

Antonia: Fahren wir um sechs weg oder stehen wir da auf?

Heinrich: Wann stehst du auf, wenn der Zug um halb acht wegfährt?

Roswitha: Hat der McDonalds so früh schon auf? Krieg ich ein Geschenk?

Antonia: Also, ich will schon in der Früh noch duschen gehen, also brauch ich so eine halbe Stunde.

Heinrich: Dann um sieben halt.

Dass das Auto von Heinrich auf den dafür vorgesehenen Transportwagon gefahren werden muss, ist einleuchtend. Und dass er dann das Auto verschließen muss und die Gepäckstücke, welche er und seine Töchter im Zugabteil benötigen, aus dem Auto herausnehmen und mit ins Zugabteil mitzunehmen hat, ist auch klar.

Antonia: Ohh Gott, ich hab mein Lipgloss zuhause vergessen, ich spür jetzt schon die Risse und Sprünge auf der Haut und ich bin völlig ausgetrocknet.

Roswitha: Nimmst halt die Nivea von mir, ich hab sie eh eingepackt.

Heinrich: So, hier habt ihr eure Handtaschen, bitte Antonia, schau nicht so grantig, wir kaufen halt so einen Labello.

Antonia: Lipgloss und nicht Labello.

Heinrich: Meinetwegen, den gibt es sicher in Hamburg auch.

Roswitha: Und ich bekomme dafür Ohrringe.

Antonia: Nein, wenn Roswitha Ohrringe bekommt, bekomme ich auch welche. Sie hat auch das letzte Mal einen Ring bekommen, als ich den von der Tante Elfie geschenkt bekommen hab.

Heinrich: Labello und aus und wenn das nicht passt, bekommt ihr gar nichts.

Eine halbe Stunde später sitzt Antonia mit purpurroten aufgerissenen Lippen im Zugabteil und schreit.

Heinrich: Wie gibt es denn sowas, wie könnt ihr nur so aufeinander……

Antonia: Ich hab gar nichts gemacht, sie ist auf einmal….

Roswitha: Ich bin überhaupt nicht schuld, was kann ich dafür, ich hab mich nur umgedreht und Antonia ist aufgesprungen.

Heinrich: Und direkt in deinen Ellenbogen gerannt, natürlich. Jetzt blutet sie und du findest das lustig, oder was?

Roswitha: Und dass mir der Arm weh tut, ist dir ganz egal?

Antonia: Ich verblute….

Roswitha: Papa, die schreit so laut, da bekomme ich Kopfweh.

Heinrich: Halt doch endlich still und halte dir das Taschentuch drüber und bitte hör auf zu schreien, da bekomme ich ja Kopfweh!

Roswitha: Wir waren gar nicht mehr beim McDonalds.

Antonia: Nein, das geht sich jetzt nicht mehr aus.

Heinrich: Wir können ja hier im Zug etwas kaufen.

Roswitha: Bitte ein McDonalds Menü mit Cola.

Heinrich: Ich hole mir ein Bier.

Antonia und Roswitha: Nimm uns auch eins mit!

Körperhaltungen

Frau Mag. Viktoria Kumpf-Eberhart kommt direkt neben Ivanova Bolenka zu Sitzen. Das passiert nicht absichtlich, also nicht absichtlich von Mag. Viktoria Kumpf-Eberhart beabsichtigt. Sie hat einfach weiter vorne keinen Platz mehr bekommen. Weiter vorne sitzen wie immer die Wichtigen, um die es bei Veranstaltungen wie dieser halt geht. In der ersten Reihe die Herrn Aufsichtsräte, die Chefplaner, daneben die Herrn Minister und Sekretäre. Begleitet von Direktoren, Präsidenten und deren Vize. Gefolgt von Unterhäuptlingen, Abteilungsleitern, Beauftragten und anderen hervorgehobenen Personen, männlich bitte. Dazwischen, um das fade Grau und Schwarz der Anzugswelt ein bisserl aufzupeppen, ein-zwei Damen als Begleitung. Das geht so ein paar Reihen lang und dann ist ein unsichtbarer Graben, ein Riss in Raum und Zeit, eine Grenze, welche den platzreservierten Bereiche „Vorne“ vom Rest der Menschheit teilt.

Frau Mag. Viktoria Kumpf-Eberhart sitzt drei Reihen hinter dieser Grenze – am Rand und neben Ivanova Bolenka.

Frau Mag. Viktoria Kumpf-Eberhart hat diese Veranstaltung organisiert, Ivanova Bolenka hat den Boden geputzt und die Toiletten.

Frau Mag. Viktoria Kumpf-Eberhart kennt Ivanova Bolenka und ihren Aufgabenbereich und Ivanova Bolenka hat von Mag. Viktoria Kumpf-Eberhart den Auftrag für ihre Putztätigkeiten bekommen.

Das Feld ist abgesteckt, die Erwartungen klar definiert.

Frau Mag. Viktoria Kumpf-Eberhart will einen Blumenstrauß und Ivanova Bolenka will den einen Präsidenten sehen.

Natürlich begrüßen die beiden Damen sich, natürlich wissen sie nicht wie sie die ersten Sekunden des sich nahe Sitzen überreden sollen. Natürlich sagt Frau Ivanova, das die Veranstaltung ganz fein organisiert ist und natürlich sagt Viktoria, dass sie sich freut Frau Ivanova zu sehen und das die Klos sauber geputzt sind – hahaha – natürlich sagt sie das nicht!

Sie sagt natürlich schön dass Frau Ivanova auch Zeit gefunden hat der Einladung zu folgen und ob sie sich schon aufs Buffet freut.

Ja natürlich – sagt Frau Ivanova aber leider ist sie Vegetarier und mag daher nichts von der Schlachtplatte. Aber das ist doch Corned Beef meint darauf Frau Viktoria und Frau Ivanova kratzt sich als Antwort intensiv am Schritt und sagt dazu „Entschuldigung – der String ist mir verrutscht.“

Frau Viktoria lächelt verkrampft sagt dazu nichts, schaut nirgends hin, denkt ansich an nichts und schwenkt ihre, von einem engen schwarzen Rock zusammengeschnürten Beine weg von Ivanova Bolenka – dabei verrutscht ihr String.

Es füllen sich jetzt schön langsam die Reihen, die wichtigen vorn wie auch die rund und Viktoria. Fast wollte wer sie von ihrem Randplatz mehr in die Mitte hin vertreiben, aber das geht nicht, weiß Viktoria und teilt das auch Frau Ivanova mit. „Vielleicht muss ich früher aufstehen“ sagt sie mit wissendem Lächeln, Frau Ivanova lächelt mit.

Dann kommt der Hausinterne Wichtige noch direkt auf Viktoria zu, „Frau Magister“, sagt er mit wohlwollenden Lächeln, „sehr schön, sehr schön – gut gemacht und alles Bestens – auf sie ist halt noch Verlass“ zum Schluss noch mit verschwörerischen Unterton: „und die Geschenke haben sie gekauft?“

Sie hat und alles selbst noch ausgesucht, informiert sie dann auch noch Frau Ivanova, denn wenn sie das nicht selbst gemacht hätte, wäre da bestimmt das Falsche raus gekommen. Frau Ivanova Bolenka stimmt dem voll zu und fragt ob es bald losgeht.

Die Reden schwingen los und da sich das Licht auf die Bühne konzentriert finden Frau Mag. Viktoria Kumpf-Eberharts Finger ihren String, Frau Ivanova Bolenka lächelt im Dunklen.

Schön ist es da zuzuhören, Ivanova hat sich das ganz so erwartet, nicht das sie wirklich Information erwartet hätte, nein aber sie schaut gerne den Rednern zu – Frau Viktoria schaut nervös nur auf die Uhr.

Und da ist es dann wirklich soweit, es spricht der hausinterne Wichtige der sie so persönlich begrüßt hat. Er stürmt durch seine Rede um ganz zum Schluss jetzt endlich Dank zu sagen an alle die, welche es sich verdienen.

Frau Mag. Viktoria Kumpf-Eberhart hat es geschafft, sie spannt sich von den Zehen bis übern Schritt, gerade ist der Rücken, sie fährt sich nochmal kurz durchs Haar und wischt die Handflächen an den Oberschenkeln.

Da kommt das Stichwort:

„und zu guter Letzt möchte ich mich noch bei der guten Seele des Hauses, bei unserer Viktoria bedanken, ohne welcher diese so gelungene Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre. Sie hat in unzähligen freiwilligen Stunden alles das organsiert was sie, verehrte Gäste heute erleben dürfen – kommen sie bitte kurz Heraus Viktoria – bitte Applaus.

Frau Mag. Viktoria Kumpf-Eberhart bekommt einen Blumenstrauß, den sie selbst ausgesucht hat.

Frau Ivanova Bolenka freut sich für sie und lächelt.